zu spät? / Erinnerung

wasserfall-2

 

zu spät?

Selbst dort wo noch
manche Blume blühte
in Mulden versteckt
auch sie verglühte

jede Pflanze verdorrt
auf kargem Land

wo kein Regen fällt
der die Wüste wässert
niemand mehr ist
der die Erde verbessert

wächst kein Hälmchen
mehr im heißen Sand

gefangen sitzt
in steiniger Ritze
ein Salamander
in glühender Hitze

wagt sich hervor
nur in der Nacht

Erinn’rung blitzt auf
in seinen Träumen
an grüne Oasen
mit Vögeln auf Bäumen
und klaren Quellen
in herrlicher Pracht

wo kein Regen mehr fällt
der die Erde verbessert

niemand mehr da
der die Wüste wässert

funkeln die Sterne
in einsamer Nacht

©bmh 1990

***

Erinnerung

Die Bögen des Lebens –
mal verschlungen,
mal weit ausladend,
eng oder weit im Horizont;
erzählen von Entbehrung
und vom brennenden Durst
nach Begegnung –
nach Belebung
durch das Du.

„wo kein Regen mehr fällt,
der die Erde verbessert,
niemand mehr da,
der die Wüste wässert“

Sie erzählen von Stürmen –
tief innen,
der grossen Not
sie zu bändigen;
erzählen
im plätschern des Baches
von glühender Einsamkeit –
vom verborgenen Bangen
die Nacktheit zu bergen.

„gefangen sitzt
in steiniger Ritze
ein Salamander
in glühender Hitze“

Doch einmal
wird Erinnerung zur Kraft
und gleich dem Phönix
steht auf –
der Mensch,
der entzaubert
der Freiheit Geheimnis in sich.

© Bernhard Albrecht, 13.09.2012
unter Verwendung von zwei Einschüben
aus einem Gedicht von Barbara Hauser,
silberperlen.wordpress.com/2012/09/08/zu-spät-2

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