Münchner Geschichten / sich weiten

Münchner Geschichten

Mitten auf der Kaufingerstraße sitzen Passanten eng beieinander
auf Rundbänken, die sich um zwei alte Bäume schmiegen
und nutzen die ersten Sonnenenstrahlen.
Um uns herum dieses noch gewohnheitsbedürftige Vielvölkergemisch,
das Kopf an Kopf die Straßen von München bevölkert.
Eine Gruppe von Hare Krishna Jüngern in orangefarbenen
Gewändern zieht trommelnd und singend vorbei.

„Bunt ist die Welt …“ äußere ich wieder einmal staunend
und lächle einen älteren Mann auf der Bank an.

Schööön“, sagt er mit leuchtenden Augen
und zeigt deutlich seine Freude an dieser Kulisse.

Seine Begeisterung an dem bewegten Leben
überträgt sich auf mich und wie von selbst
wechsle ich aus dieser grauen Ebene, die die Müdigkeit
in mir hervor gerufen hatte und schaue mit seinen Augen
auf die orangenen Gewänder, den Gesang und das Trommeln,
das graubraun der noch winterlichen Bäume, die vielen Menschen
und sehe plötzlich alles vom Gold der Wintersonne überhaucht.

Willig trete ich in das Geheimnis des Augenblicks ein.

Wie schnell doch die Ebenen wechseln! Wie nah sie beieinander liegen!
Die Müdigkeit ist verflogen. Mein Herz fühlt sich weit an und leicht.

Was für eine Begegnung! Heilung geschieht mir
im Vorübergehen, in Sekunden.

***
Leichtfüssig bewege ich mich mit dem Strom der Menschen
zur nächsten S-Bahn-Station.

Das Lächeln des Mannes begleitet mich bis nach Hause,
umhüllt mich mit dem Duft der Freude.

© bmh, 02.02.2017

*** Inspiriert von Deinem Eintrag … Sich weiten …  konnte ich mein Erlebnis in München und die damit verbundenen Gedanken schon heute in Worte kleiden.

In Resonanz grüße ich herzlich Barbara ***

Dazu auch das   Kommentargedicht  

Durch – Sicht

Der Augenblick ist nicht,
es sei denn
ich blicke
in die Augen meines Gegenüber,
bekenne mit meinem Lächeln,
dass ich da bin, wo er auch ist,
mitten im bunten Vielvölker-Farbengemisch
auf der Fussgängermeile –
unter den Klängen von Zimbeln und Trommeln
vereint in gemeinsamer Freude.

Zwei Fremde reichen einander
unscheinbar die Hände –
bauen am Frieden in friedloser Zeit.

© baH, 04.02.2017

 

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4 Kommentare zu “Münchner Geschichten / sich weiten

  1. ananda75 sagt:

    wie schön :-)

    und genau so ist es – wenn wir Schönheit SEHEN, empfinden wir Liebe und das ist reine Energie

    rein … denn wir ziehen sie nicht einem anderen Menschen ab sondern schöpfen direkt aus der Quelle

    das Thema hatte ich heute im Kopf – hab geübt mit U-Bahn-Pfosten und so Sachen :lol: – geht – geht wirklich – mit allem, man muss nur richtig hin gucken… ;-)

    und da les ich jetzt deine Geschichte

    und freu mich :-)

    Herzliche Grüße <3

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  2. Bernhard Albrecht sagt:

    Durch – Sicht

    Der Augenblick ist nicht,
    es sei denn
    ich blicke
    in die Augen meines Gegenüber,
    bekenne mit meinem Lächeln,
    dass ich da bin, wo er auch ist,
    mitten im bunten Vielvölker-Farbengemisch
    auf der Fussgängermeile –
    unter den Klängen von Zimbeln und Trommeln
    vereint in gemeinsamer Freude.

    Zwei Fremde reichen einander
    unscheinbar die Hände –
    bauen am Frieden in friedloser Zeit.

    © baH, 04.02.2017

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    • Danke für die Fortführung meines Erlebnisses.

      … Zwei Fremde reichen einander
      unscheinbar die Hände –
      bauen am Frieden in friedloser Zeit.
      sagst Du

      Wie Wellen setzen sich Erlebnisse und dann auch die Worte darüber, fort – und so weiter und so weiter…

      Meine Tochter meinte, als ich ihr Deinen wie meinen Eintrag vorlas, sie hätte Gänsehaut bekommen.

      Ich lachte und sagte zu ihr, nenne es Engelsschauer ♥

      erfrischend …
      In diesem Sinne Grüße

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